In Dingen fühlen

Wenn mich früher jemand gefragt hat, wie es mir geht, erzählte ich, was bei mir gerade privat, beruflich und gesundheitlich los ist. Ich dachte, damit wäre die Frage beantwortet. Ich selbst interessierte mich immer sehr für die Lebensumstände von Menschen in meinem Umfeld oder des öffentlichen Lebens. Eigentlich wollte ich wissen, wie es diesen Menschen geht und bildete mir anhand ihrer Lebensumstände meine eigene Meinung darüber. Ich habe ausschließlich in Dingen gefühlt.

Beweise gefällig?

Das wurde mir klar bei der Lektüre des Buches „Der Schattenwolf in dir“. „Ein Haus zu haben, eine Yacht, ein erfolgreich veröffentlichtes Buch…: Das alles sind Beweise für andere, damit du ihnen zeigen kannst, wie du dich fühlst. Denn sie verstehen nur Dinge. Wenn du nichts von all dem besitzt und dich dennoch so fühlst, als besäßest du all das, dann halten dich andere für einen Idioten, für verwirrt oder verblendet. Du aber fühlst dich frei. Denn du realisierst, dass du diese Dinge nicht brauchst,“ schreibt der Autor Marius Zerbst. In meinem Buch mit dem Titel „Rote Wirecard vom Universum“ beschreibe ich unter anderem meine Vision Boards, die ich in den letzten Jahren angefertigt habe. Ich habe mich vor ein paar Wochen bei dem Gedanken ertappt, dass sich meine Wünsche auf dem Vision Board doch bald verwirklichen sollten, da ich mich ansonsten unglaubwürdig machte bei meinen Lesern und diese keine Motivation hätten, sich selbst zum Schöpfer ihres eigenen Lebens zu machen. Als ich länger darüber nachdachte, wurde mir klar, dass ich selbst eigentlich keine Beweise mehr brauche, um zu glauben, dass ich der Schöpfer meines eigenen Lebens bin, zumal sich schon die Wünsche nach einem eigenen Landhaus und der Veröffentlichung meines Buches verwirklicht haben, was für mich kleinen Wundern gleichkommt.

Viel Raum dazwischen

Ich bin überzeugt davon, dass sich auch noch die anderen Dinge auf meinem Vision Board verwirklichen werden, wann weiß ich nicht. Vertrauen gibt mir Geduld, denn wenn ich weiß, dass es passiert, dann ist das Wann nicht mehr so entscheidend. Ich bin inzwischen sehr dankbar für diesen Raum dazwischen, in dem nicht viel passiert, weder Angenehmes noch Unangenehmes, ich könnte passiv in einer Warteposition verharren oder aber die Zeit bewusst nutzen, indem ich angenehme Gefühle in mir schaffe, die unabhängig von äußeren Einflüssen sind. Das kann ich am besten, wenn keine äußeren Einflüsse diesen Prozess stören. Nach dieser Übungsphase werde ich freier sein von äußeren Einflüssen, was nicht heißt, dass ich mich nicht mehr über schöne Ereignisse freuen kann, ganz im Gegenteil. Das Ergebnis nennt man Resilienz, eine innere Stabilität, die auch nicht durch herausfordernde äußere Faktoren zerstört werden kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.