Marius Zerbst: Der Schattenwolf in dir

Viele Glaubenssätze habe ich ausgemistet, einen altbewährten allerdings beibehalten: Ich habe Glück im Spiel. Und so kam es, dass ich auf instagram ein Buch gewonnen habe mit dem Titel „Der Schattenwolf in dir.“ Der Titel und das Cover haben mich gleich angesprochen, da ich mich in den letzten Jahren viel mit Hunden, Wölfen und Schattenarbeit beschäftigt habe.

Zunächst war ich überwältigt vom Umfang des Buches, es ist größer als ein Taschenbuch und hat über 450 Seiten, dabei gibt es keine Bilder und Graphiken im Buch und die Schrift hat normale Größe. Dementsprechend brauchte ich zur Lektüre einige Wochen, was auch daran liegt, dass es viele praktische Übungen enthält.

Veränderung ist möglich – auch jetzt

Der Autor beginnt mit der Beschreibung eines motivations- und sinnlosen Tages, an dem sich permanent der innere Kritiker zu Wort meldet und jeden seiner Versuche positiv zu denken und aktiv zu werden im Keim erstickt mit seiner Angst. Dieser Kritiker wird sich immer wieder melden und sich durch das ganze Buch hindurch ziehen. Marius Zerbst hat ihn Schattenwolf getauft. Im ersten Teil des Buches beschreibt er, wie er überhaupt entsteht, wer er ist, was ihn ausmacht und warum er dich permanent sabotiert. Das erste Kapitel trägt die Überschrift „Erkenne dich“. Dadurch dass du erkennst, dass es diesen Schattenwolf auch in dir gibt, wird dir gleichzeitig klar, dass diese Gedanken und Ängste nicht du bist und dass sie kein fester Bestandteil deiner Persönlichkeit sind. Im zweiten Teil geht es um die Befreiung, die weder durch Flucht noch Kampf, sondern durch Fühlen gelingt. Marius bietet vielfältige praktische Übungen an wie Schreiben, Meditationen und Atemtechniken. Der letzte Teil widmet sich der Veränderung. Die Persönlichkeit zu entwickeln oder gar zu verändern klingt nach einer großen Herausforderung. Ist es sicherlich auch, da macht Marius keinen Hehl daraus. Es ist also nicht einfach, dauert seine Zeit, wie lange das auch immer sein mag bei dir, kann im Vorfeld keiner sagen, die wichtige Kernbotschaft ist, es ist möglich, jederzeit, auch jetzt.

Mantrameister Schattenwolf

Wie unser ganzes Leben dreht sich auch dieses Buch letztendlich nur um Gefühle. Nichts ist schwieriger als die Beschreibung von Gefühlen. Jemandem ein Gefühl zu beschreiben, das er noch nie gefühlt hat, ist vermutlich unmöglich. Umso erstaunlicher ist es, wie Marius Zerbst es schafft über 450 Seiten hinweg durch verschiedene Metaphern, Beispiele und Vergleiche die unterschiedlichen Gefühle und Seinszustände zu beschreiben, so als möchte er gewährleisten, dass für jeden Leser mindestens eine ihm vertraute Situation dabei ist und er somit das Gefühl wiedererkennen kann, auch wenn er ihm bisher noch keinen Namen gegeben hat. Die wesentlichen Aussagen des Buches wiederholen sich sicherlich nicht zufällig wie ein Mantra. Zu viele Jahrzehnte hat unser Schattenwolf seine Glaubenssätze wie ein Mantra uns eingetrichtert, als dass das einmalige Lesen von völlig gegensätzlichen Aussagen reichen würde. Das bloße Lesen eines Buches wird sicherlich auch nicht reichen, ganz egal wie gut das Buch ist. Sehr wertvoll finde ich daher die eingestreuten Praxisübungen, bei denen sich dann direkt der eigene Schattenwolf zu Wort meldet: “Das Buch ist so spannend, ich lese gleich weiter und mach die Übung später. Heute bin ich zu müde, ich mach die Übung morgen. Besser das Buch zügig zu Ende lesen ohne die Übungen und diese dann in einem 2. Durchgang machen.“ Jede Veränderung ist natürlich ein längerer Prozess, daher dient das Buch als Begleiter, in dem man die Übungen immer wieder nachschlagen und wiederholen kann.

Mir war sowohl das Gefühl, das am Anfang beschrieben wurde als auch die Leichtigkeit eines höheren Seinszustandes, die nach der Zähmung des Wolfes auf einen wartet, sehr vertraut. Die universellen Gesetze und die Kernbotschaften des Buches waren mir bereits bekannt. Die Metapher des Schattenwolfs hat mich sehr angesprochen und vieles erhellt, was mir bisher noch nicht klar war. Die Erklärungen über die Funktionsweise unseres Gehirns empfand ich als sehr hilfreich, so dass der Verstand auch in den Prozess mit einbezogen wird.

Alles ist Schwingung oder alles ist Lüge?

Gefühle sind nichts anderes als Schwingungen. Niedrige Schwingungen nehmen wir als anstrengend und unangenehm war, hohe Schwingungen hingegen als leicht, energie- und freudvoll. Gutes Essen, verschiedene Konsumgüter, gute Gesellschaft bringen uns für eine gewisse Zeit in eine hohe Schwingung. Durch eine stattfindende Konditionierung im Gehirn schlussfolgern wir, dass wir zwangsläufig diese äußeren Faktoren benötigen um unsere Schwingung und damit unsere Stimmung anzuheben. In diesem Buch geht es nun darum, dass du allein ohne äußere Einflüsse diese hochschwingenden angenehmen Gefühle erzeugen kannst. Hört sich wie Magie oder gar eine Lüge an! Das liegt am Schattenwolf, der sich immer einmischt und alles von Anfang an zerredet, so dass jeder bisherige Versuch scheiterte. Ich höre gerade deinen Schattenwolf sagen: Selbst wenn das möglich wäre, würde ich das gar nicht wollen, ich möchte mich lieber nach einem guten Essen gut fühlen, statt darauf zu verzichten. Du sollst gar nicht auf ein gutes Essen verzichten, ganz im Gegenteil, du wirst es vermutlich noch mehr genießen als bisher, mit dem Unterschied, dass du die Stimmung auch zwischen den Mahlzeiten und selbst in herausfordernden Zeiten hoch halten kannst. Es geht darum seinen Gemütszustand mehr und mehr frei von äußeren Bedingungen zu machen und gleichzeitig intensiver zu fühlen in jeglicher Hinsicht.

Marius beschreibt sehr anschaulich und vielfältig diesen Entwicklungsprozess inklusive aller Steine, die einem der Schattenwolf in den Weg wirft. Viele spirituelle Bücher haben den Fokus auf der lichtvollen Seite, was den Eindruck von Leichtigkeit vermittelt und durchaus zu Frustration führen kann, wenn es sich bei einem selbst so gar nicht leicht anfühlt. In keinem Buch habe ich bisher so ausführlich gelesen, wie wir uns auf dem Weg zu uns selbst immer wieder selbst das Bein stellen – und zwar jeder von uns. Das Buch vermittelt keineswegs den Eindruck, der Weg wäre einfach und schnell und dennoch finde ich es so motivierend, denn Marius beschreibt ebenso detailliert und bildhaft welche Geschenke am Ende des Tunnels warten.

Danke Marius für dieses Lebenswerk, im Sinne von Werk über das Leben, denn ich bin sicher, dass ich von dir zukünftig noch viel mehr lesen und hören werde.

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