Sehnsucht nach dem High

Ich habe einen kurzweiligen Frauenroman erwartet. Mein Erwartung wurde erfüllt, ich habe das Buch in 2 Tagen gelesen, weil es so spritzig und locker geschrieben ist. Die Autorin nimmt wirklich kein Blatt vor den Mund und schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Die Stimme in unserem Kopf können wir ja auch nicht kontrollieren und zensieren. Das von außen eher unscheinbare Büchlein überrascht sowohl durch seine Vielfalt an Themen als auch mit Tiefgang. Es enthält erotische Passagen und auch philosophische tiefgründige Auseinandersetzungen.

Innere Leere nach außen verlagern

Die Protagonistin Claire ist in meinem Alter und die Stimme in ihrem Kopf kommt mir sehr bekannt vor, auch wenn sich unsere Lebenssituationen ziemlich unterscheiden. Claire hat alles, was in unserer Gesellschaft für ein zufriedenes Leben notwendig scheint und dennoch ist da diese Leere oder eine Sehnsucht nach Abenteuer. Claire lässt uns an ihrem Erkenntnisprozess teilhaben, dass die Erfolge im Außen nichts mit innerer Erfüllung zu tun haben. Bei mir kam beim Lesen der Gedanke auf, dass ein Neuanfang sogar leichter ist, wenn alles perfekt scheint und sich keinerlei Ansatzpunkt zur Optimierung mehr bietet. Bei Claire brauchte es beruflichen Erfolg und das Interesse eines anderen Mannes, der die Klarheit brachte, dass es Zeit für sie ist, einen anderen Weg einzuschlagen. Ich fand es sehr hilfreich, dass das Buch nicht an dieser Stelle endet oder direkt in ein Happy End übergeht, wie wir es aus Filmen oftmals kennen. Die Realität ist nämlich, dass eine äußere Veränderung tiefe Veränderungsprozesse in uns anstößt, die nicht immer angenehm sind. Der Autorin gelingt es meiner Meinung nach sehr gut, diese Transformation in Worte zu fassen. Neben dem Gefühl der Freiheit und Selbstbestimmung tauchen ähnliche Gefühle wie vorher auf, die vielleicht sogar unangenehmer sind und Zweifel aufkommen lassen, ob die Entscheidung richtig war. Mir scheint, als würde bei diesem Prozess die vorherige innere Leere zunächst nach Außen verlagert: keine Termine, kein beruflicher Stress, keiner ruft an, es passiert nichts, man wird nicht gebraucht, Vakuum, Stille. Das löst ein Chaos und eine Unruhe in uns aus. Martina Stubenschrott beschreibt auf sehr anschauliche und unterhaltsame Weise, wie ihre Protagonistin diesen Übergang erlebt. Erst als sie das Chaos in ihr beseitigt hat, fügen sich die Dinge im Außen wie von selbst.

Buch Rezension Sehnsucht nach dem High Frauenliteratur

„Umso klarer die Vision, umso stärker die Sogwirkung. Die Gefahr lag darin, sich auf diesen einen Punkt zu fixieren, anstatt das Fliegen zu genießen.“

Martina Stubenschrott

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